Der dm-Effekt oder: Was Väter in der Drogerie durchleben

Gestern nachmittag im dm-Drogeriemarkt. Ein junges Elternpaar tingelt zwischen den Reihen mit Babybrei und Stoppersocken. Der Vater: Hipster-Brille, genervter Blick, schaukelt den Kinderwagen mit dem schlafenden Baby nervös vor und zurück. Die Mutter: Verzückt von einem Bio-Baby-Baumwoll-Pullover „mit Seidenanteil!“. Fazit: Das neue Familienmitglied ist nicht immer das anstrengendste. Warum wir junge Väter manchmal bemitleiden müssen – und Angst haben, zur Glucke zu werden.

Eigentlich wollte ich bei dm mal ausnahmsweise etwas für mich selbst kaufen. Getarnt als vermeintlich kinderlose Drogerie-Kundin – mein Sohn war bei der Tagesmutter – lauschte ich folgendem Dialog:

Sie: Oh, wie süß! Das ist ein richtig cooles Teil für den Winter. Und Bio-Baumwolle mit Seidenanteil, richtig gut! Na? Schau doch mal!

Er (starrt auf das Babybrei-Regal vor ihm): Hmmm.

Sie: Oder hier das, das ist toll so als Schlafanzug, dachte ich, ne?

Er (sehr lieb): Ja. Gehn wir, ja?

Sie (stürmt zum Babybrei-Regal, blickt ihn bestürzt an): Das sind die Babyvita-Breis, die sind voll eklig!

Die erste Frage, die mir dabei in den Kopf schoss: Oh Gott, bin ich auch so? Dann traf ich die beiden an der Kasse wieder. Sie haben nicht genug Geld dabei. Nach längerem, lauten Nachdenken lässt sie eine Packung Milchpulver an der Kasse. Als sie gezahlt, sich über ein zu teures Produkt beschwert und alles in ihre Stofftaschen gestopft hat, findet sie ihren Mann am Eingang wieder. Er hat einen Small Talk mit einem anderen Vater angefangen.

Sie: Jetzt gehen wir aber los, bevor du dich hier noch festquatschst!

Ein Schauer von Fremdscham (wegen der Mutter) und Mitleid (für den Vater) überkommt mich. Ich lächle den Mann an. Und entdecke: In meiner Einkaufstüte sind Windeln, Babytee und Putzlappen. Für mich ist nichts dabei. Wie ferngesteuert bin ich in die Babyabteilung marschiert, um abzuchecken, was es „Neues“ gibt. Ertappe mich, wie ich Preise vergleiche, Zutatenlisten von Babymüslis studiere und ein Kinder-Traubenkernkissen gegen was-auch-immer bestaune. Jetzt also schnell raus hier. Dieses Traubenkernkissen muss ich meinem Mann gleich nächstes Mal zeigen.

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