Mit Baby zur Uni: Studieren mit Kind

Eigentlich ist das Studium garkein so schlechter Zeitpunkt für ein Baby – oder? Das hängt vor allem vom Studiengang und dem Uni-Personal ab. Ein Tag mit Baby an der Uni will geplant sein.Nachdem ich gerade mein Masterstudium in Journalismus an der LMU München abgeschlossen habe, bleiben mir einige Erkenntnisse aus der Studienzeit mit Kind. Neben

1. Im Voraus planen

2. Im Voraus Kommunizieren und

3. Beharrlichkeit im Umgang mit der Uni-Verwaltung

gibt es noch ein paar Faktoren, die das Studieren mit Kind meiner Meinung nach erst möglich machen.

Uni-Personal: Fluch und Segen

Es war Ende November vergangenen Jahres, unser Sohn drei Monate alt, als ich zum ersten Mal als Mutter die Uni betrat. Neun Uhr: Sprachkurs im Historicum. Die schweren gläsernen Eingangstüren schwingen gemächlich auf und zu, als würden sie nur ungern den Weg ins Innere des Gebäudes freigeben. Hinter ihnen: Steintreppen hinauf zum 1. Stock, wo mein Sprachkurs stattfindet. Barrierefreiheit sieht anders aus. Durch den Eingang wuchte ich den Kinderwagen gerade noch. Dann kommt mir die Dozentin entgegen, um mir beim Hochtragen über die Treppen zu helfen. Sie, selbst Mutter, war so freundlich, mir vorher ihre Nummer zu geben, weil sie wusste, dass hier um diese Zeit manchmal nicht viele Studenten ein- und ausgehen.

Schlaf, Kindlein, schlaf!

Die morgendliche Tschechisch-Lektion habe ich freiwillig in meinen Stundenplan aufgenommen, um auch mal wieder was für mich zu tun. Es war einen Versuch wert: Unser Sohn schlief um diese Zeit meist, sodass ich ihn getrost im Kinderwagen neben mir liegen lassen konnte, während ich mir Grammatik einbläute. Wurde er wach, saß er auf meinem Schoß oder ich trug ihn ein wenig im Seminarraum auf und ab. Er hat es super mitgemacht – und bestenfalls schonmal ein paar Vokabeln der Sprache mitbekommen, mit der er zur Hälfte aufwächst. Jetzt, wo er beinahe läuft, würde er den Kurs wohl ziemlich auf Trapp halten.

Sein oder Schein?

Bei welchen Veranstaltungen muss ich mich sehen lassen, um die nötigen Punkte angerechnet zu bekommen? Welche Informationen sind wirklich wichtig für mich? Wenn ich eines beim Studieren mit Kind gelernt habe, dann, mich nur auf das Wesentliche zu konzentrieren. Zur Sprechstunde mit der Professorin, die meine Masterarbeit betreute, erschien ich regelmäßig mit Kind – was ihr großen Spaß zu machen schien. Wenn es jedoch um Verlängerungen für Abgabetermine oder überhaupt um Prüfungstermine geht, herrscht in der Uni-Verwaltung schiere Verwirrung. Aufgrund eines sehr netten Studienberaters bekam ich vier Wochen Aufschub für die Abgabe der Masterarbeit. Auf den mündlichen Prüfungstermin, bei dem ich die Arbeit verteidigen soll, warte ich noch immer – weil anscheinend niemand weiß, wie in meinem Fall verfahren werden soll. Das Thema meiner Arbeit: Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Journalistinnen. Das Fazit: Man muss sich sehr engagieren, gute Kontakte haben und nicht zuletzt die eigenen Rechte einfordern, um beides geschaukelt zu bekommen.

Die 24h-Telefonzentrale oder: Kommunikation ist alles

Aus einem Studium – oder zumindest den letzten beiden Mastersemestern – mit Kind habe ich viel mitgenommen: Nicht nur fachlich, sondern vor allem persönlich. Wenn die Sekretärin am Telefon kein Verständnis dafür hat, dass man zu bestimmten Terminen kindbedingt nicht erscheinen kann, dann lohnt es sich meistens, jemand anderen anzurufen. Zum Beispiel das Prüfungsamt, den zuständigen Betreuer des jeweiligen Studiengangs oder die Studieren-mit-Kind-Beratungsstelle, die es mittlerweile an fast allen Unis gibt. Am Ende will doch niemand der- oder diejenige sein, der die junge Mutter mit Kind nicht hat studieren lassen. Und das ist auch gut so. Trotzdem liegt noch einiges im Argen, wenn es um die Kinderfreundlichkeit der Unis geht. Zwar sind Strukturen wie Campus-Kitas vorhanden. Vor allem aber muss das Studieren mit Kind selbstverständlicher werden. Damit es mehr solche Dozentinnen gibt wie die Tschechisch-Lehrerin, die auch mal den Kinderwagen die Treppe hochschleppt. Mittlerweile findet mein Unterricht übrigens außerhalb der Uni statt: Wenn ich die Dozentin mit ihren kleinen Söhnen auf dem Spielplatz um die Ecke treffe, reden wir deutsch, die Kinder tschechisch. Und alle haben was davon.

 

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