Schwelgen im #Familienalbum: Was war, was kommt, was bleibt?

Heißgeliebtes Holzpferdchen

Früher war definitiv nicht alles besser. Aber familientechnisch einiges einfacher: Dosenravioli galten als ausgewogene Kindermahlzeit und Anschnallpflicht höchstens für den Fahrer. Frau Mutter hat mit ihrer Blogparade #Familienalbum dazu aufgerufen, in alten Bildern, Gepflogenheiten und Erinnerungen zu stöbern. Meine Erkenntnis: Unglaublich, wie uns die alltäglichen kleinen Dinge doch prägen – damals wie heute.

Als ich die holzvertäfelte Küchenwand meiner Oma knipste, bekam ich Gänsehaut. Am Tag davor war unser Sohn auf seinem Schaukelpferd in München fröhlich hin- und hergewippt. Ich habe das Bild genau im Kopf. Jetzt habe ich es nochmal in digital:

Da ist noch Platz in meinem Sattel!

Da ist noch Platz in meinem Sattel!

Zumindest fast. Denkt man sich meinen großen Bruder vom Foto weg, hat man im Prinzip die perfekte Kopie unseres Sohnes auf seinem Schaukelpferd, 2015. Meine Kindheit damals und seine heute können garnicht gleich sein – startete ich doch in einem südbadischen Kreisstädtchen und er in einer weltbekannten Millionenstadt. Dennoch wurde mir in dem Moment blitzartig klar, wie ich oder wir beiden Eltern mit unseren Erfahrungen auch seine allerjüngsten Jahre intensivst prägen. Ein spannender Gedanke… an was wird sich unser Sohn einmal erinnern, wenn er an seine ersten Jahre denkt?

 

Musik ab, tanzen!

Da flog sie // juppadong // auf dem Besenstiel davon // gradeaus, übers Haus // dreimal rum und hoch hinaus!

Anne Kaffekanne ist nur eine meiner ewigen Stars. Nicht umsonst haben meine Eltern die alte Kinderliedersammlung „Guck, der kleine König kommt“ aufbewahrt. Und ich gerade wieder den deutschen Soundtrack zum „König der Löwen“ bestellt. Ich bin 1987 geboren, und der „König der Löwen“ war, unangefochten vom „Dschungelbuch“, mein wohl erstes und prägendstes Kinoerlebnis. Heute singe und tanze ich mit unserem Sohn dazu. Und bin manchmal den Tränen nahe. „Can you feel the love tonight?“

 

Bücher!

Mio mein Mio, Gebrüder Löwenherz, Ronja Räubertochter, Krabat und Momo – was wäre ich ohne sie? Trotz digitalem Wahnsinn bin ich mir sicher: Bücher und insbesondere Kinderbücher werden immer im Trend sein. Umso glücklicher war ich, als meine Schwiegermutter uns einen ganzen Stoß alten Lesestoffs vermacht hat. Tschechische Klapp-Kinderbücher. Die bereichern unseren bilingualen Familienalltag ganz besonders und sind sooooo schön:

Das Mäuschen kochte Brei. Und kocht, und kocht, und kocht..bis heute.

Das Mäuschen kochte Brei. Und kocht, und kocht, und kocht..bis heute.

Und noch besser: Der lustige Kater Schnurr und seine gelbe Mieze treiben bei uns sogar auf beiden Sprachen ihr Unwesen! Dann müssen sich die Großeltern nicht immer am zungenbrecherischen Tschechisch oder dem „harten“ Deutsch, wie ich mir habe sagen lassen, ausprobieren. Für unseren Sohn sind die beiden Sprachen kein Problem. Macht der Hund auf Deutsch „Wau!“ und auf Tschechisch „Haff!“, macht sein Hund eben „Waff!“ – klare Sache. Zum Glück scheinen Katzen international „Miau“ zu machen. Zumindest Kater Schnurr und sein tschechischer Kollege:

Ich bin der Kater Schnurr mit den blauen Augen

Ich bin der Kater Schnurr mit den blauen Augen

 

Markklößchen forever!

Markklößchensuppe ist die Basis einer jeden Familienzusammenkunft. Das war schon immer so. Und bleibt auch so. Da muss ich im Familienalbum garnicht lange blättern:

Es ist genug für alle da!

Es ist genug für alle da!

Letzte Weihnachten hat meine Mutter die kleinen Goldstücke zubereitet, davor jahrelang meine Oma und davor ihre Mama. Und ratet mal, an wen der Kelch als nächstes wandert… Was für eine schöne Tradition. Generell ist mir beim Schwelgen in der Familiengeschichte klargeworden, welche unglaubliche Wirkung solche Traditionen haben. Ganz abgesehen von traditionellen Festen kann man seine eigenen kleinen Rituale erfinden, pflegen und weitergeben. Ich freue mich auf jeden Fall auf das erste Markklößchen-Rollen mit unserem Sohn!

Das klingt jetzt sehr nach Bilderbuchfamilie mit Sonntagsbraten. Dabei gab es oft genug auch einfach mal Dosenravioli. Meine Mutter hatte nicht immer einen Mitverdiener an der Seite, als wir klein waren (die Ravioli fanden wir allerdings spitze!). Bis heute gilt: Wir l(i)eben Patchwork. So stammt zum Beispiel unser geliebtes Holzpferdchen noch aus der Kindheit der zweiten Frau meines Vaters, der „Zweitoma“ unseres Sohnes also. Sitzt unsere Familie am Tisch, ist es manchmal schwer zu überblicken, wer denn nun Eltern und wer Kind, wer deutsch, tschechisch oder italienisch ist – wir gehören alle zusammen. Und das prägt.

Dicke Freunde

Dicke Freunde

… last but not least möchte ich allen #Familienalbum-BloggerInnen ein Bild nicht vorenthalten. An der Holzwand meiner Oma ist es das älteste. Mein rundes Babygesicht im gerade noch so passenden Mützchen eines Taufkleides, handgemacht von meiner Mutter. Ich werde wohl niemals nähen können, und wenn, dann nicht sowas! Aber ich kann mich daran erinnern, wie meine kleinen Kinderhände später über die rosa Spitze gestrichen haben und ich schon damals wusste: Mamas sind doch wirklich unglaublich.

Einfach Spitze!

Einfach Spitze!

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3 Gedanken zu “Schwelgen im #Familienalbum: Was war, was kommt, was bleibt?

  1. Oh ich bin sehr neidisch wegen den Leporelo Büchern – Klappbücher auf Tschechisch. Habe für meien Kids keine solche mehr gefunden. Viel Spass mit – Strč prst skrz krk.
    Mein Lieblingszungenbrecher übrigens…

    • Liebe Zuza,
      ja die hat meine Schwiegermama wie Gold gehütet;) mit Strč prst skrz krk gibt es mittlerweile ja sogar bedruckte T-Shirts!! Ohja, das Tschechisch hat Nerven gekostet…Dir und Euch weiter viel Spaß damit!!

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