Kind krank, Home Office: 8 Strategien, um Job und Nerven zu behalten

Mit einem Schnupfen fängt es an. Und plötzlich nickt ein ansonsten um diese Zeit putzmunteres Kerlchen beim Abendessen überm Teller ein. Der Startschuss für ein endloses Gedankenkarussel: Wer bleibt morgen zuhause? Wann mache ich die liegengebliebene Arbeit? Und wie bliebe ich selbst einigermaßen gesund und bei Laune?

Es war ein sonniger Nachmittag im März, als ich mit Tränen in den Augen meinen Mann anrief und in den Hörer stotterte. „Die Mandeln sind schon wieder dick,“ brachte ich raus. Nicht meine. Die unseres „Großen“, damals dreieinhalb. Und zwar zum dritten Mal in Folge. Jede Angina zwei Wochen lang: Kind tragen, trösten, zum essen und trinken überreden, nachts schlaflos neben seinem zitternden Körper wachen, Händchen haltend oder Wadenwickel wickelnd. Meine Tränen kamen nicht aus Angst oder Mitleid. Sondern aus purer Erschöpfung.

In diesen Tagen gingen mir viele Dinge durch den Kopf – immer hinter einem grauen Müdigkeitsschleier, sodass es doch ein bisschen dauerte, bis ich alles hier aufschreiben konnte. Erstmal öffnete mir der Erfahrungsbericht einer Krankenschwester in der Kinder-Notaufnahme die Augen. Sie sagt, kurz gefasst: Eltern, seid froh, wenn ihr in der „Notaufnahme“ warten müsst. Warten heißt dann nämlich: Eurem Kind geht es nicht so schlecht. Lange nicht so schlecht wie den echten Notfällen. Erstens.

Und zweitens: Es ist beschämend. Dafür, dass unsere Kinder krank werden, haben wir in unserem Familienleben 4.0 eigentlich keine Zeit. Wer keine pensionierten Großeltern in der Nähe hat, bei dem brennt mit der ersten Fiebermessung am Morgen eine Frage unter den Nägeln: Wie soll das jetzt gehen?

Nicht umsonst gibt es zum Beispiel in München Betreuungsangebote wie Zuhause gesund werden, wenn wirklich nichts mehr geht. Zumindest bei der Kinderbetreuung kann dann gegen einen geringen Betrag jemand helfen. Bis es wirklich so weit kommt, Dritte (und in dem Fall Unbekannte) um Hilfe zu bitten, ist aber meistens schon einiges liegengeblieben. Und wenn man durchwachte Fieber-und-Husten-Nächte hinter sich hat, liegen auch die Nerven schon blank.

Und genau da kommen die Überlebensstrategien ins Spiel. Gedanken und kleine Gewohnheiten, die wir uns in solchen Momenten aneignen können und die uns – zumindest ein bisschen – aufbauen. Sind die Eltern entspannter, gehts ja oft auch dem Kind ganz schnell besser….

  1. Wie oft habe ich diesen Tipp gehört, seit ich kleine Kinder habe: „Kümmer dich nicht sofort um das schmutzige Geschirr, genieß die Zeit mit dem Kind!“ Ha. Ha. Schonmal einen Tag allein mit zwei kleinen Monsterchen verbracht? Das macht nicht immer Spaß, aber immer viel Dreck. Einzig im Krankheitsfall (des Kindes!) hat sich das als sinnvoll erwiesen. Aufwändige Koch-Aktionen bleiben aus, es gibt – wenn überhaupt – Nudeln ohne alles oder mal ein paar Apfelschnitze. Chaosfaktor: überschaubar. Also dann: Einfach das Kind im Arm halten, vorlesen, tun, was ihm guttut. Es ist erst ein Kampf gegen das Gedankenkarussell (und was essen wir Erwachsenen heute Abend? Habe ich schon eine Rückmeldung zu meinem Artikel im Postfach?), dann irgendwie etwas ganz besonderes, wenn klar wird: So viel ungestörte Spiel- und Zuhör-Zeit kriegen wir im normalen Alltag garnicht unter.
  2. Gedankenkarussell gestoppt, der Kopf wird frei. Manchmal kommen einem gerade, wenn man durch äußere Umstände zum Stillstand gezwungen ist, die besten Ideen. Also: Kreatives Potenzial aus dem Stillstand schöpfen.
  3. Essen! Ohja, und zwar eben nicht nur die Nudeln ohne alles. Im Zweifel den zweiten Elternteil, der gerade versucht einem normalen Arbeitstag nachzugehen, in den Supermarkt schicken. Oder das Kind mit Schal und Mütze trotz Angina mitnehmen. Hilft gegen auf den Kopf fallende Decken und gibt Energie: Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Obst. Eine(r) muss ja fit bleiben. Gesunde, aber unkomplizierte Rezepte gibt es hier.
  4. Reden! Reden, reden, reden. Am Telefon mit der eigenen Mama. Mit der besten Freundin. Mit der verständnisvollen anderen Mama aus dem Kindergarten. Und, wer das Glück hat, einen tollen Kinderarzt gefunden zu haben: Sich ermuntern lassen. Niemand (!) sieht einen in schlimmerem Aufzug als der eigene Kinderarzt. Augenringe, Hoodie, Kaffeebecher in der Kinderwagentasche. Und dann fragt er, wie es geht? Heul… Toll dann die Erfahrung, wenn er es wirklich wissen will. Mut macht. „Das hatten jetzt schon zig Kinder die letzten Wochen, sollte in drei Tagen rum sein.“ Fakten können so gut tun.

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    Auch die kindliche Fantasie kann zur Besserung beitragen: Traktor gegen Angina.

  5. (Mit-)Lachen! Einfach mal in einschlägigen sozialen Netzwerken unter #sleepdeprived, #sleepisoverrated, #tiredmama, #tiredpapa nachschlagen. Die Solidarität wirkt besser als Kaffee. (Tunlichst vermeiden: #happymum #sweetestchild und dergleichen. Kann dann die Stimmung versauen.)
  6. Sich des eigenen Glücks bewusst werden. Um nochmal zurück auf den Krankenschwester-Text aus der Notaufnahme zu kommen: Lasst uns feiern, wenn unser Kind gerade mit einer Sch***-Angina sein Immunsystem stärkt. Es gibt Schlimmeres!
  7. Auch wenn es hart ist: Termine absagen. Vielleicht lässt sich ja mit dem Partner eine sinnvolle Aufteilung finden. Drum herum kommt man aber bei einer mehrwöchigen Mistkrankheit des Kindes kaum. Und dafür sollten Arbeitgeber Verständnis haben! Schon klar, dass man suuuuperwichtige Dinge zumindest als Freiberufler am Abend regeln muss. Oder tagsüber (wenn es denn sein muss!) dem Gesprächspartner am Telefon erklärt, man sei heute im Home Office und es könne sein, dass mal ein Kind im Hintergrund brüllt. Ich persönlich habe darauf immer nur sehr verständnisvolle, ja amüsierte Reaktionen bekommen – von Männern wie von Frauen. Wie sonst soll es je eine sichtbare Tatsache in unserer Arbeitswelt werden, dass man Kinder und Job gleichzeitig haben kann?
  8. Zu guter Letzt: Ein Freu-Ziel anvisieren! Ja, im Moment ist alles doof. Kind krank, vielleicht bald auch das zweite oder ich oder mein Partner. Zeug bleibt liegen. Alles Mist. Aber kommt nicht in zwei Wochen die Freundin aus dem Studium für ein Wochenende zu Besuch? Und dann, in den Sommerferien, sind die Kinder eine Woche bei Oma und Opa? Und der Urlaub in Italien? Ist ja garnicht mehr weit hin. Einfach ein paar Momente aus dem Gedächtnis abrufen (der letzte Urlaub, das Frühstück im Café mit Freunden…), die Emotion dazu kurz hinter verschlossenen Augen nachfühlen. Und sich bewusst machen: Kommt bald wieder.

..und welche Tricks und Tipps habt ihr auf Lager, um mit Krankheitsphasen in der Familie umzugehen?

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